Rettungsorganisationen bewältigen einen umfangreichen Einsatz im Arbergebiet
Bericht der Passauer Neuen Presse

Großer Arber (bbz). Bei einer Großeinsatzübung haben am Arber etliche Rettungsorganisationen die Zusammenarbeit geprobt. Oliver Fischer, der Landesbeauftragte des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH), hatte mehr als ein Dutzend Hilfs- und Rettungsdienste mit mehr als 170 Personen dazu eingeladen.
Das Szenario war spektakulär: Es galt, 28 Fallschirmspringer zu suchen, die nach einem Formationssprung in eine Windhose geraten und im Gebiet zwischen dem Großen Arber und Bodenmais vermisst waren - ein Suchgebiet von rund 30 Quadratkilometern in schwer begehbarem Gelände. Für die Ortung der Vermissten waren 28 Rettungshundeteams des BRH und des DRV (Deutscher Rettungshundeverein) zuständig.
Alarmiert wurden die Bergwachten Zwiesel, Lam und Arnbruck, das BRK Zwiesel, die Feuerwehr, die Rettungshundestaffeln des BRH Lindau, Oberbayern, Oberland und Nürnberg sowie die DRV-Rettungshundestaf- fel Bayerwald. Unter der Leitung der Bergwacht Zwiesel wurde nahe des Arbergipfels ein Einsatzleitstand eingerichtet. Der Gesamteinsatzleiter der Bergwacht, Helmut Weiß, teilte mit dem Zugführer der Rettungshundestaffel Rolf Fischhaber (BRH) die Suchgebiete für die Hundeteams ein.
Nachdem das Vorgehen mit dem Einsatzleiter des DRV Walter Kinach abgestimmt war, fuhren die ersten Rettungshunde-Teams per Gondelbahn auf den Berg, um das erste Suchgebiet in Gipfelnähe zu erreichen. Weitere Teams machten sich mit Autos auf den Weg zu den Einsatzgebieten Bodenmaiser Mulde und Hochzellhüttenschachten. Während die Suche anlief, stellte das BRK unter Leitung von Charly Wohlfart bei der Talstation drei Zelte für die Erstbehandlung Verletzter auf.
Nach und nach liefen dann die Meldungen über gefundene Personen ein, die von den Suchhundeteams erstversorgt wurden. Die Bergwacht musste die zum Teil schwer Verletzten unter schwierigsten Bedingungen von Felsen abseilen, mit der Baumbergestange aus Bäumen holen und mit der Gebirgstrage über weite Strecken zur nächsten Straße bringen. Das BRK übernahm teils mit Rettungswägen den Abtransport der Opfer.
Um die ohnehin dramatische Aktion weiter zuzuspitzen, wurde nach einigen Stunden angenommen, dass das Handynetz ausgefallen ist. Die Beteiligten konnten sich nur noch über das Funknetz verständigen, das am Arber nicht überall funktioniert. Aber auch diese Probleme wurden gelöst, nicht zuletzt dank der hervorragenden Mitarbeit der mobilen Einsatzleitung der Feuerwehr; deren Beobachter Kreisbrandmeister Hans Richter war stets vor Ort.
Eine besondere Herausforderung hatten die Wasserwachten Zwiesel, Regen und Frauenau zu bewältigen, denn auch im Großen Arbersee wurde ein Fallschirm gesichtet. Unter Regie von Einsatzleiterin Susanne Vilsmeier und Taucheinsatzführer Willi Sitzberger traten Taucher in Aktion. Andreas Weichselgartner war als Beobachter dabei. Zwei Wasserretter der Ortsgruppe Regen bargen das bewusstlos an der Oberfläche treibende Opfer (gemimt von einem Taucher der Ortsgruppe Frauenau) mit einem Rettungsbrett ins Rettungsboot der Ortsgruppe Zwiesel. Dort wurde der Mann versorgt und zum Rettungswagen am Ufer gebracht. Schließlich holten die Taucher auf Bitte der Polizei auch noch den Fallschirm und den Höhenmesser des Verunglückten aus dem zirka zehn Meter tiefen Wasser. Indes ging die Suche der Rettungshundeteams am Kleinen Arber und am Arbersee weiter.
Am Ende der Großübung, gegen 20 Uhr, waren alle 28 Vermissten - dargestellt von Mitgliedern der Feuerwehren Eisenstein, Regenhütte und Oberzwieselau - gefunden und im Zelt des BRK erstversorgt worden. Während sich die Beteiligten der Übung im Verpflegungszelt des BRK mit Gulasch stärkten, trafen sich die Verantwortlichen der Rettungsorganisationen zu einer ersten Nachbesprechung. Ergebnis: Selbst auf ein derartiges Ereignis wäre man gut vorbereitet und - die Zusammenarbeit der vielen Organisationen ist enorm wichtig für die Rettung von Menschenleben. Besonders hervorgehoben wurde die perfekte Zusammenarbeit der beiden Rettungshundeverbände. Oliver Fischer dankte abschließend den vielen aktiven und passiven Helfern und Bergbahn-Chef Thomas Liebl, der die uneingeschränkte Nutzung der Gondelbahn ermöglicht hatte. Dadurch war es erst möglich gewesen, die Suchteams auf den Arber und die Opfer zur Talstation zu bringen. Ein Dank galt ferner dem Forstbetrieb Bodenmais, dessen Leiter Wilhelm Völkl das Suchareal und die Zufahrtsgenehmigungen zur Verfügung gestellt hatte.